Tanzwettbewerbe

Tanzturniere absagen ja oder nein? Statement mit Stand 09.03.20

Lesedauer 4 Minuten

Heute postete ich auf Facebook und Instagram, dass ich es seltsam finde, dass einige Wettbewerbe abgesagt werden (teilweise in weniger betroffenen Gebieten) und wiederum andere Wettbewerbe sollen stattfinden. So finden die Duisburger Tanztage bisher normal statt. Auf der Seite der IIG findet sich sogar ein Post, dass dies alles “Panikmache der Medien sei”. Auf der Seite des BFKM lese ich „98% der Lehrer seien dafür, den Deutschen Ballett Wettbewerb stattfinden zu lassen“.

Ich bin der Meinung, dass mehr Wettbewerbe abgesagt werden müssen, mit Stand der Informationslage von heutigen Tage.

Dafür bekam ich einige Zustimmung aber auch böseste Anfeindungen. Letzteres ist mir allerdings völlig egal und ich lasse mich auch nicht damit einschüchtern wenn man mir sagt „man würde mich eben nicht mehr buchen als Juror, wenn ich so unbequem sei“. Dem sehe ich gelassen entgegen, da ich eh kaum noch in Deutschland werte sondern hauptsächlich international. Auch muss ich mir die Frage stellen, ob ich mit so ignoranten Veranstaltern überhaupt zusammenarbeiten möchte.

Meinungen die unbequem sind, werden nicht gerne gehört und meine Meinung ist keine Panikmache. Aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, auch besonders nachdem die Gesundheitsministerien inzwischen verstärkt empfehlen Veranstaltungen abzusagen, dass man es nochmals klar aussprechen sollte. Deshalb möchte ich nachfolgend meine Meinung nochmals klar darlegen.

Der Virus ist für den Einzelnen meist nicht gefährlich, aber für Alte und Vorerkrankte meist gefährlicher als Grippe.

Man vermutet, dass sehr viele Menschen den Virus bekommen werden und ohne Probleme gesunden werden. Aber unzählige Personen eben nicht. Gegen Grippe können diese geschwächten Personen sich jedes Jahr etwas durch Impfung schützen auch gibt es mit Tamiflu für Einzelne Personenkreise ein Medikament. Gegen SARs-Cov 2 gibt es noch keine Impfung und keine Medikamente. Jeder fitte Mensch, der das Virus, teilweise unbemerkt, da nicht jeder Symptome zeigt, weiter gibt, gefährdet andere Menschen. Wenn immer mehr ernsthafte COVID19 Fälle behandelt werden müssen, schafft das unser Gesundheitssystem nicht mehr, auch fehlen dann Kapazitäten für andere ernste Krankheiten. Das könnte dann jeden von uns treffen.

Ich weiß, dass es auch Ärzte gibt, die das alles nicht so ernst einstufen. Es gibt für jede Meinung immer eine Gegenmeinung auch unter Fachleuten. Aber ich bin der Meinung wir sollen zwar nicht in Hysterie verfallen sondern besonnene Vernunft walten lassen. Selbst wenn sich im Sommer herausgestellt haben sollte, der Virus war nicht so gefährlich, wird uns das ein besseres Gefühl geben, als wenn wir hinterher sagen müssen, ach hätten wir doch.

Viele Veranstalter warten darauf, dass die Behörden absagen. Es gibt konkrete Empfehlungen so viele Veranstaltungen wie möglich abzusagen. Andere Länder sind da bereits viel konsequenter. Ich kann schon verstehen, warum unsere Regierung sich mit klaren Erlassen schwer tut, denn im Vergleich zu vielen anderen Nationen, lassen wir Deutschen uns ja ungerne etwas vorschreiben und schnell wird das was eigentlich als vernünftig gelten sollte abgewehrt weil es ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht sei.

Und letztendlich siegen dann wirtschaftliche Interessen und Egoismus vor Allgemeinwohl und Gesundheit.

Es tut mir leid, wenn meine Meinung böse klingt.

Ich finde es als Pädagoge, Choreograph und Juror überhaupt nicht schön Wettbewerbe abzusagen. Ich mag Kinder nicht enttäuschen. Wir haben alle dafür hart trainiert, sowie Zeit und Geld investiert. Für die Kinder und Jugendlichen ist es schlimm, da manche vielleicht wegen Altersgruppeneinteilungen nächstes Jahr nicht mehr starten können.

Dennoch finde ich wir sollten es tun.

Jeder der mit Kindern arbeitet hat Verantwortung und weiss, wir schwer Hygieneregeln durchzusetzen sind, ich denke nur an die halbherzige Handdesinfektion vieler Kinder im Trainingslager vor dem Betreten des Speisesaals, Kinder kann man nicht auf Abstand halten. Wenn in einem Trainingslager ein Kind Durchfall bekommt haben es bald alle, ich habe Trainingslager erlebt wo hinterher alle einen grippalen Infekt hatten. Bei Turnieren kommt noch die Aufregung dazu, da werden Regeln schnell vergessen. Die häufig beengte Garderoben- und Backstagesituation nicht zu vergessen, an die häufig überlasteten Toiletten möchte ich jetzt gar nicht denken.

Auch wenn Tanzwettbewerbe selten gleichzeitig mehr als 1000 Zuschauer haben, so halte ich sie dennoch für gefährlicher, da erstens die Kinder dazu kommen die permanent zwischen Backstage und Zuschauerraum hin und her wechseln. Auch das Publikum wechselt ständig, da nicht jeder, jeden Beitrag schaut und jede Kategorie. Im Foyer ist meistens Gewusel. Soviel Bewegung und Nähe bedeutet einfach Risiko.

Hier will ich auch schließen, es gäbe noch mehr Argumente.

Ich würde mir einfach wünschen, dass etwas mehr über den Tellerrand geschaut würde. Denken Sie an Andere. Wir werden alle Verluste wirtschaftlicher Art haben, aber ist es das Risiko wert nur materiell zu denken?

Wir könnten einzelne Turniere per Video Wertung machen. Für die Qualifikation zum DanceWorldCup vielleicht mit den Videos von den Regionalwettbewerben. Gruppen, die der Meinung sind, sie hätten sich seitdem verbessert könnten ein Video in der totalen filmen und einsenden.

DanceStar hat per Se die Möglichkeit der Online Qualifiers. Das ist nicht optimal und sollte nicht die Zukunft sein. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Handlungen.

Liebe Veranstalter, Kollegen und Eltern, bitte seien Sie mir nicht böse und beteiligen sich gerne in diesem Blog oder im Social Media an der Diskussion. Vielleicht gibt es andere Ideen, Lösungen oder auch andere News, die uns helfen, die richten Entscheidungen zu treffen. Aber seien wir vernünftig und lieber etwas vorsichtiger.

(1) Kommentar

  1. Daniela von Raffay sagt:

    Hallo Sten,
    ich finde Deinen Appell total gut und richtig und sehr nachvollziehbar. Ich hoffe die Tanzgruppen werden ein Einsehen haben und nicht auftreten.
    So kann jeder sein Scherflein dazu beitragen, dass sich diese tückische Krankheit nicht weiter verbreitet.
    Dein Vorschlag mit der Beurteilung durch Video wäre doch ein toller Kompromiss.

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