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Was kommt hier 2023

Lesedauer 4 Minuten

Ich gebe es ungerne zu, aber ich habe diesen Blog in 2022 etwas schleifen lassen, da ich einfach zu viel unterwegs war, mit spannenden Projekten, für die ich sehr dankbar bin. Für 2023 habe ich mich entschieden, weniger Workshop zu geben und auch wesentlich weniger Wettbewerbe zu werten; diverse Bühnen- und TV Projekte, zwei Bücher in Vorbereitung sowie viele Auslandsaufenthalte zwingen mich einfach, etwas kürzer zu treten. Dadurch bekomme ich aber hoffentlich wieder mehr Zeit zum Bloggen.

Was kommt hier im Blog 2023?

Es gibt eine tolle Kooperation mit der Sonnentanzboutique in Mettmann bei Düsseldorf. In den nächsten Monate werde ich hier Übungen und Trainingsprogramme vorstellen mit Hilfsmitteln, die bei Sonnentanz erhältlich sind. Ab März wird es dazu in Zusammenarbeit mit Sonnentanz auch Workshops geben. Die Termine dazu findet man in Kürze auf www.skdance.org

Den ersten Blogbeitrag aus dieser Reihe könnte ihr hier im Blog ab dem 03. Januar 2023 lesen.

Was ich mir für den Tanz in 2023 wünsche?

Besonders für den Bereich des Competition Dance habe ich ein paar Wünsche.

Ich wünschte, dass die Veranstalter und Verbände sich weniger gegenseitig Konkurrenz machen würden. Es kann nicht sein, dass Kindern mit Startverboten und Sperren gedroht wird wenn sie bei anderen Turnieren eines anderen Verbands tanzen.

Überhaupt frage ich mich, wieviele Competitions wir überhaupt brauchen. Zwar sind die Wettbewerbe immer professioneller geworden aber leider auch oft seelenlos und zu kommerziell.

Ich habe ja bereits an anderer Stelle öfter geschrieben, dass ich zwar ein großer Befürworter von Wettbewerben und Turnieren bin und diese ja auch seit über 30 Jahren als Juror unterstütze. Aber immer häufiger habe ich den Eindruck, dass der Fokus in der Tanzausbildung der Kinder und Jugendlichen zu sehr auf den sportlichen Wettkampf gelegt wird und zu wenig auf künstlerische und kreative Entwicklung. Bei den Wettbewerben findet eine immer stärker werdende Gleichmacherei statt, jeder Tanz das gleiche beziehungsweise ähnliche Elemente. ich traue es mich gar nicht laut zu sagen, aber ich muss zugeben, dass ich mich als Juror in manchen Kategorien auf bestimmten Wettbewerben in den letzten Jahren immer häufiger langweile. Aus diesem Grunde habe ich seit 2020 zu grossen Wettbewerbe wie DWC und Co abgesagt. nach so vielen Jahren habe ich einfach gemerkt, dass ich kleinere Wettbewerbe mit unterschiedlichen Leistungen und mehr Individualität und Persönlichkeit, wie beispielsweise den Bergischen Löwen in Wuppertal mehr schätze.

Tanzfestival Bergischer Löwe vom 18.-21. Mai 2023

Diesbezüglich möchte ich auch noch mal drauf hinweisen, dass es nicht nur sportliche Tanzwettbewerbe gibt, sondern auch viele öffentlich geförderte Choreografiewettbewerbe und Tanzfestivals, bei denen es nicht um tanzsportliche Leistungen, sondern um künstlerisches tanzen, Gemeinschaft und Begegnung geht.

Ich würde mir wünschen, dass die Tänzer:innen ein paar Wettbewerbe weniger tanzen würden und stattdessen wieder mehr auf künstlerische Projekte und kreatives Ausprobieren gelegt würde. Auch als Choreograph fühle ich mich langsam sehr eingeschränkt und habe mich schon im letzten Jahr entschieden, weniger Competition Choreografien zu machen. Nicht nur die engen Zeitvorgaben bei Wettbewerben behindern mich, ich finde es oft auch besonders mühsam immer die gleichen Elemente neu zusammenzuhängen, da zum Einen manche Juroren scheinbar nur diese Elemente gut bewerten und zum Anderen dies auch dazu geführt hat, dass die Kinder technisch nur auf diese Elemente trainiert werden statt eine fundierte, ausgewogene Technikausbildung zu erhalten. Die wird übrigens leider immer häufiger bei Aufnahmeprüfungen für die Tanz Hochschulen sichtbar. Viele Turnier tanzende Kinder fallen sehr oft durch, da ihre Körper einseitig vorgebildet sind.

Ich persönliche finde es auch immer schön wenn Tanzschulen bei ihren jährlichen Schulaufführungen kooperieren würden. Und dort geneinsam ihre Arbeiten präsentieren. Das hält nicht nur die Kosten niedriger, sondern gibt Raum für Begegnung und Austausch.

Zusätzlich wünsche ich mir auf Wettbewerben wieder etwas weniger Solotänze. Über die letzten Jahre und durch die Corona Zeit noch mal verstärkt, sind die Solokategorien, in allen Tanzstilen extrem gewachsen, während Small Groups und Formationen immer weniger werden; selbst Duos oder Trios werden weniger. Viele Schulen haben inzwischen Schwierigkeiten, überhaupt Gruppen zusammen zu bekommen, besonders wenn es darum geht Gruppen aus gleich leistungsstarken Tänzer:innen zu formen. die Folge. Es gibt immer mehr Kooperationen, wo sich einzelne Trainer aus allen Regionen, die ausgebildeten, talentierten Kinder zusammen casten. Die Schule, die diese kinder ausgebildet hat schaut dann oft in die Röhre, da die Kinder für Haus eigene Projekte kaum noch zur Verfügung stehen. Ich bitte darum, mich nicht falsch zu verstehen, ich bin ein großer Freund von Kooperationen, im Sinne von Netzwerken und gemeinsamer Arbeit, aber ich beobachte, dass viele dieser Kooperationen weder den Schulen noch den Kindern wirklich langfristig etwas Gutes bringen. Wie bei allem ist es eine Frage der Dosierung.

Außerdem würde ich mir auf den Wettbewerben wieder mehr wünschen Gruppen und Formation zu sehen, die gerne auch etwas mehr Vielfalt in Leistung, Alter und Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen zeigen. Individualität, Persönlichkeit, Ausdruck und Kreativität können Perfektion und seelenlose Synchronizität durchaus schlagen.

Gerade nach der Pandemie wünsche ich mir, dass wir die Kinder wieder mehr zusammenbringen, Teams bilden und Gemeinsamkeit in den Fokus legen, anstatt nur immer mehr Solotänzer:innen zu fordern. Als Pädagoge, der auch in der professionellen Tanzausbildung tätig ist, erlebe ich leider immer häufiger, dass diese früheren Solostars es in der Profi Ausbildung selten leicht haben, es fehlt einfach die Fähigkeit zur Integration in eine Gruppe.

Für manche mag das sehr hart klingen, aber vielleicht nehmen wir diesen Gedanken einmal mit ins neue Jahr und diskutieren mehr miteinander.

Generell würde ich mir wünschen, dass sich größere Pädagogen und Choreografen Netzwerke bilden und weniger Konkurrenz, aber mehr Austausch stattfinden würde.

Ich könnte mir noch mehr wünschen für 2023, aber mit den Wünschen verhält es sich genauso wie mit den Vorsätzen, weniger hat mehr Aussicht auf Erfolg.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch einen guten Start in das Jahr 2023 und freue mich , wenn wir uns in Zukunft wieder häufiger lesen, hören und sehen können.

Auf ein gutes 2023.

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