Tanzwettbewerbe Training

Alles online?

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Inzwischen dürfen wir ja wieder (und hoffentlich auch trotz steigender Infektionszahlen noch weiterhin) mit Hygienekonzepten und Sicherheitsregeln überall trainieren. Einzelne Schulen hatten bereits oder planen Schulaufführungen und kleine Galas mit weniger Publikum, ausgefeilten Sicherheitskonzepten im Saal, auf der Bühne und im Backstage sowie modifizierten, meist nur Solo- oder Duo Choreografien.

Viele Gruppentänze können derzeit noch nicht gezeigt werden. Das ist für die Pädagogen, Choreographen sowie die Tänzer sehr aufwendig und für die Veranstalter oft ein finanzielles Risiko, da weniger Tickets verkauft werden, Kosten für GEMA, Theatermiete, Versicherungen, Personal und Technik aber gleich bleiben. Dazu kommt immer noch die große Planungsunsicherheit, da niemand hundert prozentig sagen kann, dass nicht doch wieder verschärfte Auflagen erlassen werden.

Das macht es auch schwierig live Tanzwettbewerbe zu veranstalten. Selbst wenn man es schaffen würde, ein gutes Hygienekonzept zu entwickeln (der Risikobereich ist meiner nach besonders das Backstage), das größte Problem bleibt die Finanzierung ohne und mit weniger Publikum. Die (notwendigen) Startgebühren bei einigen Wettbewerben sind für viele Schulen und Eltern eh oft eine Belastung (auch wenn ich zugeben muss, dass einige große Veranstalter es inzwischen mit Startgebühren und Jahresgebühren etwas übertreiben).

Wenn das Live Publikum wegfällt bzw. weniger ist, müssen wir uns eventuell mehr mit kostenpflichtigen Streamingtickets befassen. Die Technik dafür gibt es. Ich habe nie verstanden warum zu Zeiten des Lockdowns alles kostenfrei ins Netz gestellt wurde, das war am Anfang nett und sozial, aber auch Künstler leben nicht nur von likes und Applaus.

Wenn sich keine neuen und wahrscheinlich sehr teuren Konzepte für Live Wettbewerbe auftun, gehe ich persönlich davon aus, dass wir vor März/April, wenn nicht sogar Mai nächsten Jahres Live Wettbewerbe, so wie wir sie kennen nicht haben werden.

Sollte ich mich irren, freue ich mich natürlich, aber ich denke es ist auch nicht schlimm, ein halbes Jahr mal genauer an Technik und Choreografie zu arbeiten. Viele wissen, dass ich oft kritisiere, das die tänzerisch-technische, musikalische und künstlerische Ausbildung und Entwicklung, durch zu viele und immer mehr Choreographien und Wettbewerbe auf der Strecke bleibt. Die meisten Tänzer heute müssen jede Saison unzählige Gruppentänze, Soli, Duos und Trios erlernen, nur für einen Beitrag fährt heute kaum noch jemand auf ein Turnier.

Also lasst uns an der tänzerischen und vor allem künstlerischen Qualität arbeiten und man wird sich wundern, welche Qualität wir 2021/22 auf den Wettbewerben sehen werden.

Die Kinder und Jugendlichen sind nach dem Lockdown heiß auf Training aller Art, auch beim oft verhassten Techniktraining wird weniger gemotzt. Und Trainieren dürfen wir ja und ich denke, wenn sich alle an die Regeln halten, werden wir das auch weiterhin tun können, live und nicht nur online.

Meine Meinung zum Online Training habe ich bereits vor Wochen geschrieben, online Training kann sehr gut sein, aber auch einfach nur Beschäftigungstherapie. Ich bin kein Freund von Online Klassen oder YouTube Videos wo zu Hause nur nachgetanzt wird ohne Korrektur, dennoch kann das eine gute Ergänzung zum Live Training sein. Training über Zoom und Co, wo auch die Schüler sich filmen finde ich akzeptabel und mit zunehmender Erfahrung der Pädagogen denke ich, kann das auch in Zukunft unser Training ergänzen. Ich mache seit einiger Zeit Privatstunden besonders für Solisten und sogar kleine Choreografien auch online, dies spart den Schülern einiges an Kosten und ihnen und mir Reisezeit. So sind individuelle Coachings auch für weniger gut betuchte Eltern machbar.

Dennoch kann Online Training niemals die soziale Komponente des Live Unterrichts im Studio ersetzen, das Treffen von Freunden, Gemeinschaft, Teamgeist und sozialer Alltag können meiner Meinung nach nicht online stattfinden. Die Social Media Dienste habe da eh schon viel an wirklichem Sozialkontakt zerstört, deswegen muss es unser Ziel sein, Live Training durch Einhalten aller Sicherheitsvorkehrungen so lange wie möglich zu erhalten . Ein weiterer Lockdown wäre auch für Viele in unserer Branche, das endgültige aus.

Wie sieht es denn nun mit online Wettbewerben aus? In England und USA boomen sie, in Deutschland läuft es eher träge. Unser e.dancemasters im Juli hatte 70 TN, für die Herbstausgabe ging bisher eine Anmeldung ein. Wir werden den Wettbewerb nun auf November/Dezember verschieben um den Studios und den Tänzern, mehr Zeit zu geben. Ab 2021 wird der e.dancemaster dann, wie ursprünglich bereits 2019 geplant nur noch für bearbeitete Tanzvideos gelten, also für künstlerische, editierte Videos, die ja auf Livewettbewerben nicht gezeigt werden können, sondern meist nur auf Social Media Kanälen zu sehen sind.

Selbst große global Player wie Dancestar tun sich schwer, trotz großer Werbung, gutem Budget und hohem Bekanntheitsgrad genug Anmeldungen für ihren virtuellen Wettbewerb zu bekommen. Gerade heute las ich, dass die Anmeldefrist dort um einen Monat verlängert wurde. Auch wenn ich nicht mehr für Dancestar juriere empfehle ich den Online Wettbewerb dennoch, auch wenn ich persönlich, die Ammeldegebühren für einen online Wettbewerb zu hoch finde. Aber es ist professionell organisiert und das Judgespanel sehr gut und gutes Feedback durch die Judges zu erwarten.

Ein großes Problem bei den Online Wettbewerben ist meiner Meinung nach das Copyright, während einige Veranstalter die Videos der Tänze öffentlich machen, habe ich mich für Dancemasters dagegen entschieden, um Choreografien zu schützen und den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, die Tänze auch nächstes Jahr noch zeigen zu können. Es ist schwierig und Konzepte und Ideen sind gefragt.

Vielleicht müssen wir uns daran gewöhnen, das noch mehr im Internet landet ?!

Ich freue mich, wenn dieser Beitrag mit meinen teilweise noch etwas ungeordneten Gedanken geteilt und diskutiert wird, vielleicht hilft es neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und starke Netzwerke aufzubauen, denn diese sind gerade jetzt sehr wichtig. Gerne könnt ihr diesem Blog folgen hier oder|und auf Instagram.

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